Golf á la Bitche

Normalerweise schreibe ich nur selten über einzelne Golfplätze, aber nachdem wir (mit Freunden) ein Wochenende golfend und schlemmend im Elsaß verbracht haben und dabei den französischen Golfplatz Golf de Bitche kennenlernen durften, ist es nun so weit. Und natürlich fange ich mit einem ausserordentlich schönen Exemplar an.

Golf de Bitche liegt im Naturpark Nord-Vogesen, östlich des kleinen, gleichnamigen Dorfs Bitche, mit seiner auf einem Hügel über der Stadt thronenden Zitadelle. Es handelt sich um eine 27-Loch Anlage im Parkland-Stil. Wir haben – und das scheint wohl ziemlicher Standard zu sein – die Kombination AB gespielt, die sich „L’Albatros“ nennt und gemäss Scorekarte von gelb auf 5941m kommt (weiss 6169m, Damen/rot 4959m) – kein allzu langer Platz also.

Der Gesamteindruck der Anlage ist idyllisch und gepflegt. Immer wieder fallen kräftig blühende Hortiensien-Büsche und noch vieles Buntes mehr auf (ich bin nicht so der Botaniker). Der Baumbestand ist alt eingewachsen und vermittelt zuweilen wirklich den Eindruck, das man durch den Wald spaziert. Der Boden zwischen der Bäumen lässt sich übrigens gut spielen, sodass Wald nicht unbedingt den Ballverlust bedeutet, wohl aber einen potentiellen Schlag mehr auf der Scorekarte. Die Grüns waren zum Zeitpunkt unserer Runde Ende Juli in exzellentem Zustand und wiesen identische Geschwindigkeiten auf allen gespielten Bahnen auf. Die Fairways waren ebenfalls entsprechend gepflegt, wenn auch die heißen Sommertage ihre bleichenden Spuren hinterlassen hatten, was aber mehr als normal ist. Unser Heimatkurs (GC Gut Hühnerhof) hatte zum gleichen Zeitpunkt deutlich mehr gelitten. Auf bezahlbaren und ökologisch vertretbaren Plätzen kommt eine Bewässerung der Fairways einfach nicht in Frage.

  • Bitche Clubhaus
    Bitche Clubhaus
    Das Clubhaus mit dem Putting-Grün davor
  • Bitche Bahn A2
    Bitche Bahn A2
    Annäherung ans Grün - zu weit links bringt Bäume ins Spiel
  • Bitch Bahn A4
    Bitch Bahn A4
    Risk & Reward - vorlegen oder volles Risiko ins Grün
  • Bitch Platzlayout
    Bitch Platzlayout
    Das Layout der drei 9-Loch Parcours

 

Die Driving Range liegt unmittelbar in der Nähe des Clubhauses sowie der jeweiligen ersten Bahn der drei 9-Loch-Parcours. Die Wege (bis vielleicht auf eine Ausnahme zwischen 4A und 5A) sind insgesamt kurz und angenehm. Das Terrain ist sanft hügelig und so kommt man eigentlich nur in der kleinen Senke im Nordosten des Platz (4A-5A, 5B-6B) ins Schwitzen – ein Cart ist ist für gesunde Golfer eigentlich nicht notwendig.

Kurs A

Bahn 1 ist ein kurzes, gerades Par 4 zum eingewöhnen und eine gute Birdie-Möglichkeit zu Beginn. Danach folgt ein Par 5 als leicht links verlaufendes Dogleg mit Bunkern denen man gut aus dem Weg gehen kann. Wer trotz nach links hängendem Fairways rechts bleibt bekommt einen einfacheren Annäherungsschlag bergab ins Grün. Anschließend zwei Highlights: das steil abfallende Par 3 der der Bahn 4 sowie die Risk&Reward Bahn 4, die viele mit einem guten Drive erreichen können, dafür aber durch eine enge Gasse müssen, zu deren linken Seite der Wald kaum Möglichkeiten zur Rettung bietet. Man erklimmt das zunächst blind und leicht bergauf führende Par 5 an der Ostgrenze des Platzes (links ist die Zaunbewehrte Ausgrenze) und gelangt über ein Standard Par 4 zum kurzen aber mit einem kniffligen Grün versehenen Par 3 der Bahn 7. Die letzten beiden Bahnen sind relativ einfache, kurze Par 4s und führen zum Clubhaus zurück.

Kurs B

Kurs B geht mit einem weiteren kurzen Par 4 weiter bevor das Par 5 der Bahn 2 leicht aufwärts zum einem gut von Bunkern verteidigten Grün führt. Rechts daneben führt Bahn 3 weiter aufwärts als Dogleg nach links und erfordert einen blinden Abschlag in Richtung einer auf dem Fairways angebrachten Markierung. Dann wird´s interessant: das Par 5 der Bahn 4 führt blind in eine Waldschneise und dann leicht links auf ein tieferliegendes Grün – Präzision und Platzkenntnis ist hier gefordert. Wir befinden uns hier in der gleichen Senke wie zwischen 4A und 5A. Die nächste enge Waldschneise führt auf das ca. 180m weit entfernte Grün eines Par 3s – kaum Spielraum für Slicer und Hooker. Bahn 6 führt bergauf zu einem blind anzuspielenden Grün das von zwei Bunkern rechts und links bewacht wird – eine echte Herausforderung trotz der bescheidenen Grundlänge. Es folgen zwei gut angelegte Doglegs erst nach rechts und dann nach links… wer beide Flugkurven beherrscht erarbeitet sich hier allerdings gute Birdie-Möglichkeiten. Zum Abschluss gibt´s ein kurzes Par 3 mit Wasser zur vorderen Linken als Schutz.

Mir ist Bitche als schön angelegter und gut gepflegter Golfplatz in Erinnerung geblieben, deren Bahnen nicht zu schwer, zuweilen aber trickreich, dabei jedoch stets fair ausgelegt sind. Die schnellen Grüns sollte man nicht unterschätzen und versuchen Bergab-Putts zu vermeiden.  Insgesamt eine klare Empfehlung. Viel Spaß.

Veröffentlicht von

Christian

Vater von zwei Kindern, Göttergatte einer tollen Frau, Banker, Heimkino-Nerd, Golfer und Schlagzeuger

2 Gedanken zu „Golf á la Bitche“

  1. Hallo Christian, Deiner schönen Beschreibung entnehme ich, dass Du den Platz von Gelb gespielt hast. Ich war mal in den 90ern Mitglied da und damals galt: ab HCP 15 von weiss bitte! Dadurch spielen sich manche Löcher extrem lang, zB die 5A, da lag der Abschlag gleich nach dem Teerweg rechts, immernoch relativ weit unten. Evtl macht es sogar Sinn, wenn Du nochmal vor Deinem inneren Auge, den Platz spielst und die Richtungsnagaben revue passieren läßt 😉 die meisten Angaben habe ich genau andersrum in Erinnerung. Zur Info, in Bitche gibt es Fairwayberegnung, ob sie noch genutzt wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Und in den 90ern gab es da weder Unkraut noch Klee, was unter den damaligen Mitgliedern den mangelnden chemischen Umweltstandards zugesprochen wurde. Wenn ich in meine alte Heimat fahre, bin ich immer versucht, dort zu spielen.

    1. Hi. Habe meine Rechts/Links-Schwäche (hoffentlich vollständig) korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis.
      Den Platz habe ich sowohl von Gelb wie auch von weiss gespielt und daher vermischen sich in meiner Beschreibung bestimmt die Eindrücke. Ich gabe Dir aber recht, dass die 5A von weiss ein Hammer ist. Ich meine nach Driver und Holz 3 immer noch ein 4er Eisen in Richtung Grün gespielt (und es verfehlt) zu haben. Trotzdem sind die 6200m (A+B) meiner Meinung nach vernünftig spielbar.
      Fairwayberegnung war zumindest im Hochsommer nicht spürbar. Ich nehme an es gibt bestimmt – wenn noch vorhanden – eines and Auflagen zu berücksichtigen.
      Vielen Dank für Deinen Input. Grüße, Christian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.