Chappie (2015)

Viel Chappie (2015) und nichts dahinter

Wo wir doch letztens – anläßlich meiner Begeisterung für Whiplash – von den inhaltlichen Fehlentwicklungen bei typischen Big-Budget-Filmen mit Franchise-Charakter (oder mindestens mal Ambitionen) sprachen – Neill Blomkamp’s Chappie (2015) ist ein gutes Beispiel. Schlimmer noch: Regisseur Neill Blomkamp hat eigentlich mit District 9 (2009) bewiesen, dass er in der Lage ist Science-Fiction-Action mit Anspruch und trotzdem Blockbuster-Eignung abzuliefern. Mit seinem neusten Film ist er davon jedoch meilenweit entfernt. Da Blomkamp sich das tote Alien-Franchise als nächstes Projekt vorgenommen hat, hat sich meine Vorfreude auf eine sehenswerte Wiederbelebung dieses Klassikers gelegt.

Zum Inhalt: Im von zunehmender Kriminalität durchgeschüttelten Johannesburg (Südafrika) der nahen Zukunft werden Roboter erfolgreich als Polizisten eingesetzt. Als Deon (Dev Patel), der Chef-Entwickler des führenden Herstellers, mit einer neuen Künstlichen-Intelligenz-Software und einem ausrangierten Modell (Chappie) von einer Gruppe Ganoven entführt wird, gerät die Situation aus dem Gleichgewicht. Während die Gangster-Bande versucht den Roboter zum Kriminellen auszubilden, versucht Deon die Kontrolle über sein Werk zu behalten. Gleichzeitig entwickelt Chappie mehr humanoides Eigenleben als gedacht.

Chappie hat alle Probleme, die so ein Big-Budget-Film haben kann. Das Drehbuch ist eine einzige Katastrophe. Es gewährt – ausser unserem AI-Roboter Chappie – keinem Charakter eine nennenswerte und logische Entwicklung. Die Charaktere sind allesamt klischeehaft und oberflächlich dargestellt und erlauben es keinem der Darsteller eine relevante schauspielerische Leistung abzuliefern. Schlimmer noch, die Klischees sind derart überspitzt und ins Lächerliche übertrieben, das man schon an eine Satire glaubt, aber leider enttäuscht wird. Dazu hat das Drehbuch Probleme sich zwischen naivem Kinderprogramm und hartem Action-Movie zu entscheiden. Eben noch Happy Chappie mit lustigen Gangsta moves und kurz darauf zerreissen wir einen Menschen in zwei Teile – weder das eine noch das andere ist ein Problem, in Kombination aber unpassend und vor allem unnötig. Die Dialoge sind durchweg dämlich und die emotionale Gesamtsituation wird oft durch Grimassen und viele Worte statt gekonntem Spiel und passenden Bildern verdeutlicht – ein wahres Armutszeugnis… und das mit einem ansehnlichen Schauspieler-Stab (Patel, Jackman, Weaver).

Die Kamera bietet das übliche nervös unruhige Bild und findet keine eigene Bildsprache. Die Musik von Meister Hans Zimmer ist beliebig und findet ebenfalls keine in Erinnerung bleibenden Melodien oder Strukturen. Die Songs sind eine Katastrophe und extrem nervtötend. Die Animationen sind sauber und weisen nur selten die leider üblichen Ungereimheiten auf (zu schnelle Bewegungen, keine ausreichende Verbindung zum realen Bildmaterial). Aufgrund der allgemeinen Langeweile neigt man leider dazu, sich auf soetwas zu konzentrieren.

Chappie ist ein Film, der das üble Gefühl von Zeitverschwendung hinterlässt. Moralisch ist trotz dem interessanten Thema nicht viel zu holen. Chappie ist eher ein auf putzig getrimmtes, enttäuschtes Kind als ein Android der die Unterschiede zwischen Mensch und Maschine hinterfragt. Von Tiefgang á la Bladerunner oder auch A.I. keine Spur. Die Zivilisationskritik ist eher platt auf aufgesetzt (der brutalste Roboter ist der, der von einem Menschen bedient wird… Danke). Für mich sind das maximale 2/10 IMDb Sterne. Man ist geneigt Blomkamp aus cineastischem Selbstschutz Schiffbruch mit dem Alien-Projekt zu wünschen.

Veröffentlicht von

Christian

Vater von zwei Kindern, Göttergatte einer tollen Frau, Banker, Heimkino-Nerd, Golfer und Schlagzeuger

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