Fünf Tage in Belek

Für ein Golf spielendes Ehepaar mit zwei schulpflichtigen Kindern gibt es nicht allzu viele Gelegenheiten mitten im Winter zu Zweit für ein paar Tage seinem Hobby zu frönen. Wenn sich dann mal aufgrund günstiger Schulausflüge eine Chance ergibt, muss man diese am Schopf packen. Ich habe ja schon von dem Spaß berichtet, den man haben kann, wenn man heutzutage einen Billig-Flug buchen will – glücklicherweise ging es nicht so weiter.

Sueno Dunes (Belek), Bahn 18 - links die Dunes Starter-Hütte
Sueno Dunes (Belek), Bahn 18 – links die Dunes Starter-Hütte

Im Gegensatz zu Ryan Air fliegt die türkische Billig-Airline SunExpress nicht aus dem im Hunsrück versteckten Haan sondern direkt aus Frankfurt Rhein-Main Terminal 2, d.h. die Logistik ist einfach und die Abwicklung am Flughafen so professionell wie für jeden meiner British Airways Geschäftsflüge.

Die Boing 737-800 ist ein älteres Kaliber mit Patina auf den Kunstledersitzen und Temperaturbrücken an den Notausgängen – wenn man die für Langbeiner empfehlenswerten XLeg-Sitze bucht wird es am Fenster auf Reiseflughöhe eventuell etwas eisig im Fußbereich – aber insgesamt war der pünktliche, etwas mehr als 3 Stunden dauernde Flug von und nach Belek sehr angenehm. Ausser einem 50ml Becher Wasser und einem etwas merkwürdig schmeckenden Sandwich muß man Nahrung und Flüssigkeit kaufen oder mitbringen, was bei Flüssigkeiten aufgrund der Sicherheitsbestimmungen schwierig ist. Die SunExpress Preise für Getränke sind nicht überzogen und so kann man die teuren Flughafenshops eigentlich vermeiden.

Meine Frau und ich waren noch nie in der Türkei. Der ältere, kleine Flughafen in Antalya und die vereinzelten, baufälligen Häuser auf dem Weg nach Belek erinnerten uns sehr an das Spanien der frühen 80er bevor die EU finanzierten Infrastrukturprogramme das Land in die Europäische Pleite, ähh… Moderne transportierten. Auf dem Weg in das Sueno Golf Hotel ergab sich der Eindruck eines weitläufigen, reinen Urlaubsgebietes – etwas was in Spanien „Urbanización“ genannt würde. Große Hotels versuchen ihren Gästen ein Vollprogramm zu bieten, damit sie vergessen, dass drumherum eigentlich nicht viel zu sehen ist. Die Hotelkomplexe stellen nicht immer architektonische Höhepunkte dar und die aggressive Meeresluft beißt schnell in die kostengünstige Bausubstanz. Das Sueno reiht sich hier voll ein, ist aber noch relativ jung und sieht daher noch ganz nett aus. Wer genau hinsieht entdeckt jedoch bereits Wasserschäden und andere kleine Problemzonen, die bald einiges an Restaurierungsarbeiten notwendig machen werden. Ein kleiner Ausflug zum Meer bringt nicht viel weil der Betrieb im Winter witterungsbedingt vollständig eingestellt ist. Aber hey… wir sind ja nur aus einem Grund hier: um Golf zu spielen.

Unser empfehlenswerter Reiseanbieter Golfturkei.de (eine türkische Reiseagentur aus Antalya, Mitglied in der Turkish Travel Agencies Association) erwies sich als kompetent, pünktlich, nett und absolut unproblematisch. Die Zimmer und Tee-Times waren korrekt gebucht und der Transport klappte ohne Probleme. Man muss mit Golfturkei.de übrigens weder türkisch noch englisch sprechen sondern wird von der deutschen Mitarbeitern Katharina Koch freundlich und zuvorkommend bedient. Sie las sogar meinen Blog-Artikel, meldete sich mit Bedauern und bat uns an, beim nächsten mal auch den Flug für uns mitzubuchen. Meine Frau hatte die gute Idee €10.- pro Tag und Person für ein Senior Room auszugeben, was für ein geräumiges Zimmer auf zwei Ebenen und einen Balkon zur Golfplatzseite heraus garantierte. Der Blick auf die idyllisch und mit viel Wasser angelegten 9 und 18er Grüns der beiden Golfkurse Sueno Pines und Dunes war wirklich wunderschön.

Nach einigen mäßigen Bewertungen auf Holidaycheck.de waren unsere Erwartung in Bezug auf das Hotel etwas reduziert und daher waren wir positiv überrascht. Das Sueno ist im Prinzip ein Ski-Hotel für Golfurlauber. Während die einen sich nach dem Frühstuck zum Lift begeben um sich ins Alpin-Getümmel zu stürzen, rücken die Golfer in Schaaren Richtung Driving-Range, Pitching-, Chipping- und Putting-Grün ab um anschließend am Tee 1 die morgendliche Golfrunde zu eröffnen. Am späten Mittag kehren die Meisten kurz ein, stärken sich schnell in den hoteleigenen Restaurants, Bars und Café’s, um anschließend zur zweiten Runde auszurücken – je nach morgendlicher Startzeit reicht es dann vielleicht nur zu einer 9-Loch-Runde. Alles ist auf Golfer ausgerichtet und von einigen unglücklichen Ehefrauen abgesehen, üben auch alle Hotelgäste diesen Sport aus.

Das Hotelessen bietet für eine Woche genügend Abwechslung, danach könnte es langsam etwas langweilig werden. Das Buffet ist reichhaltig. Man sollte bereit sein sich mit den vielen türkischen Speisen anzufreunden, denn diese schmecken oft am Besten. Wir haben an keinem Abend Probleme gehabt uns ein leckeres Abendessen zusammenzustellen. Das Frühstück war ebenfalls kein Problem und die frisch zubereiteten Omelettes habe ich sogar sehr genossen. Die Brot-Fetischisten bekamen diverse Brotsorten geboten und für die Runde konnte man sich kleine Snacks zubereiten – auch wenn die Hotelleitung lieber gesehen hätte, wenn man den auf dem Platz herumfahrenden Händlern ihr Angebot an Getränken, Sandwiches und Süßigkeiten abgekauft hätte.

Driving Range Sueno Golf - im Hintergrund das Hotel
Driving Range Sueno Golf – im Hintergrund das Hotel

Ansonsten war der Hotelbetrieb guter Standard. Das abendliche Musik- und Showprogramm hat nur bis ca. 23 Uhr genervt. Zum Wellness-Bereich kann ich nichts sagen, den haben wir nicht genutzt. Es gibt aber wohl ein kombiniertes Hallen- und Freibad sowie das übliche Programm an Massagen und Beauty-Maßnahmen. Das Personal war aufgeschlossen, hilfsbereit und freundlich. Für mich muss niemand mit einem aufgesetzten 24h-Lächeln durch die Gegend rennen, wichtig ist der Service. Auch bei All-Inklusive Paketen bietet sich übrigens dann und wann ein Trinkgeld an um die Stimmung beim Personal zu verbessern – das kann Wunder bewirken. Ein Unikum für sich ist übrigens Mr. Shoeshine, der allen Golfern den ganzen Tag seine Schuhpflege-Dienste anbietet.

Die Schmuckstücke des Hotels sind aber die beiden angeschlossenen Golfplätze. Während der längere und herausfordernde Pines die etwas besseren und/oder mutigeren Golfer bedient – vielleicht auch einfach nur die mit mehr Bällen im Gepäck – fühlen sich auf dem kürzeren Par-69 Dunes Kurs auch alle anderen wohl. Die Plätze waren sehr gut gepflegt. Leider quittierten die meisten Golfer dies mit absoluter Gedankenlosigkeit – für viele muss das Zurücklegen von Divots und das Beseitigen von Pitchmarken ein absolutes Fremdwort sein. Entsprechend „verhunzt“ sahen viele Drive-Landezonen und Grüns aus. Ich kann und will dies nicht den Betreibern, sondern einzig und allen den Gästen ankreiden. Erstaunlicherweise war keiner unsere Spielpartner diese Unsitte verfallen. Insofern frage ich mich noch immer, ob es eine besondere Schicht von Golfern gibt, die so barbarisch mit den Plätzen umgeht.

Wir haben übrigens nur selten einen Marshall gesehen – einmal wurde unser Tempo ohne Beanstandungen beobachtet und ein anderes mal wurden wir am Nachmittag (an dem nach Belieben gestartet werden konnte) mit einem holländischen 2er-Flight vor uns kombiniert, was natürlich vollkommen richtig ist. Die meisten Hotelgäste und damit auch Golfer kamen zu dieses Jahreszeit übrigens aus Holland und Schweden. Ein wenig Englisch hilft dann bei der Kommunikation im Flight.

Ein kurzes Wort zu den Übungsmöglichkeiten. Worüber ich mich immer wieder freue, ist eine Driving-Range mit Rasenabschlägen. Es gibt zwar auch Matten (für Regentage nehme ich an) aber nichts geht über das Gefühl, einen Ball mit dem Eisen vom Turf abzuschlagen. Die Anlage bietet neben einem recht kleinen Übungsbunker mit Chipping- und Pitching-Bereich ein recht großes Putting-Grün. Letzteres wurde leider auch immer wieder gern zum Pitching vergewaltigt, sodaß man selbst hier Pitch-Marken entfernen durfte.

Der Pro-Shop ist nicht unbedingt ein Einkaufsparadies, erfüllt aber seine Tee-Time-Verwaltungsaufgaben inkl. Trolley- und Cart-Verleih tadellos: €5 für einen manuellen, €10 für einen elektrischen Trolley und €20 für ein Cart (das in der Winterjahreszeit eigentlich nur körperlich beeinträchtigte Golfer brauchen) für jeweils 18-Loch sind europäischer Standard. Die Greenfee-Pakete bucht man am besten über den Reiseveranstalter – lokal wird das meist teurer. So wurden vor Ort €66 für Hotelgäste und €88 für alle anderen aufgerufen während unser 5-Tage-Paket mit 4 x Sueno Golf unlimited inkl. Hotel (Halbpension) nur €300.- kostete. Den Trolley durfte man als Hotelgast übrigens ohne extra zu zahlen auch auf eine zweite Nachmittagsrunde mitnehmen.

Beide Plätze sind geschmückt mit altem Pinien-Baumbestand. Das sieht nicht nur schön aus, die Dinger stellen sich auch gern in den Weg und zwingen zu überlegten und gezielten Drives. Immer wieder trifft man auf Wasser und hat es mit geschickt angelegten Bunkern und ausgedehnten Sandflächen („Waste Bunker“, also Sandflächen die nicht als Bunker Hindernis gespielt werden müssen) zu tun, die unpräzises Spiel sofort bestrafen. Dabei sind die Bunkerlippen zuweilen durchaus unangenehm hoch, sodass unmittelbar Längenverlust droht und der nächste Bogey gebucht ist. Auch die Grüns sind meistens stark onduliert und erfordern gutes Lesen und präzise Putts. Ein weiteres Merkmal beider Kurse (nicht nur des Dunes) sind die oft dünenhaft welligen Fairways, bei denen man unter Umständen trotz eines mittigen Fairway-Treffers eine schwierige Lage bergauf, bergab oder mit dem Ball unter- oder oberhalb der Füße antrifft.

Abschlag Sueno Pines, Bahn 8
Abschlag Sueno Pines, Bahn 8

Unser Lieblingsplatz war der von gelb ca. 6km lange (6.4km von weiss) Par-72 Pines. Es gibt viele Bahnen die mir HCP-20-Spieler wirklich in Erinnerung bleiben werden:

  • Bahn 2: Ein Par-4 mit einem engen Zugang zur Drive-Landezone. Die Mutigen kürzen über die Bäume ab, können aber im langgezogenen Teich links landen. Vor dem Grün dann noch einmal ein Wasserhinderniss, das umso weniger im Spiel ist, je weiter links man seinen Drive platziert hat. Eins der besten Par-4 das ich kenne.
  • Bahn 3 – ein kurzes aber hübsch angelegtes Par 3 mit Wasser vor dem zu allen Seiten abfallenden Grün. Ein Grüntreffer garantiert hier noch kein Par.
  • Bahn 5 – ein unscheinbar wirkendes Par 4, dessen hufeisenförmig abgestuftes Grün, je nach Fahnenposition, einem das Leben schwer machen kann. Auf dem oberen, kleinen Plateau gesteckt braucht es eine präzise Annäherung um den Ball dort zu halten – unten geblieben oder nach unten gerollt drohen 3- oder schlimmstenfalls auch 4-Putts (wie bei mir geschehen).
  • Bahn 7 – ca. 160m über Wasser auf ein von Bunkern geschütztes Grün. Wer Bedenken hat spielt über die Landzunge links, zielt damit aber auch auf zwei Bunker. Wer zu kurz bleibt landet entweder im Wasser oder in einem dritten Bunker vor dem Grün.
  • Bahn 8 – ein Monster von einem Doppel-Dogleg Par-5 mit Bunkern und Waste Area an den Seiten. Dazu eine große, alte Pinie mitten auf dem Fairway (die ich natürlich auch getroffen habe) und ordentlich Höhenunterschiede.
  • Bahn 9 und 18 führen zurück zum Hotel und enden mit einem Grün direkt am Hotel-Teich. Beide führen über nahezu die gesamte Länge des Annäherungsschlags an Wasser vorbei. Auf der 9 stellen sich einem zu weit links – und damit sicher – platzierten Drive Bäume in den Weg.
  • Bahn 12 – hier führt ein enges Fairway zu einem großzügigerem Bereich vor dem Grün, das leider durch einen grossen Waste Bunker rechts und einem strategisch clever platzierten, hohen Baum geschützt wird. Dieser Baum mit seiner ausladenden Krone steht wirklich gern im Weg.
  • Bahn 17 – auch wieder links ausladende Waste Sandflächen und links Bäume im Weg. Nur gezielt Drives auf die rechte Seite des Fairways werden belohnt. Gute Bunkerspieler riskieren vielleicht einen nicht ganz so schwierigen Schlag aus den flachen Waste Bunkern.

Insgesamt ein toller Platz der einem viel Spaß und Kopfzerbrechen bereiten kann. Mut wird hier oft belohnt und das kann man leider nicht über jeden Platz sagen.

Wie bereits erwähnt hält der Dunes hier nicht ganz mit. Zum Vergleich: mir gelang hier bereits beim ersten mal ein Stableford Score von 37 Punkten während mir auf Pines in der ersten Runde gerade mal 28 Punkte blieben. Auf dem Dunes Kurs bedarf es selten langer Drives, die dann aber auch gut platziert sein müssen um das Grün „in regulation“ zu erreichen. In Erinnerung geblieben sind:

  • Bahn 10: Wasser auf der gesamten rechten Seite bedeutet Gefahr für slicende Rechtshänder.
  • Bahn 14: Ein langes Par 4 dessen Annäherung schmal zulaufend links an Wasser und rechts an Pinien entlangführt. Linkshänder wie ich neigen gern zur Vorsicht und dürfen ihren Ball zwischen den Bäumen suchen – Bogey und schlechter garantiert.
  • Bahn 17: ein 213m langes Par 3, das für Vorleger und Zu-Kurz-Gebliebene zwei Bunker parat hält.
  • Bahn 18: Das einzige „wirkliche“ Inselgrün, daß zwar nicht wirklich schwer, dafür aber optisch sehr attraktiv ist.

Die Spielzeiten lagen auf gutem Niveau zwischen 3:45 (wir liefen gemütlich zu zweit, unsere Bags tragend, hinter einem schnell spielenden, motorisierten 4er-Flight hinterher) und 4:30 (die erste Runde auf Pines in einem 4er-Flight). Wenn das doch nur in Deutschland auch möglich wäre.

Annäherungsschlag auf Bahn 18, Sueno Pines
Annäherungsschlag auf Bahn 18, Sueno Pines

Das Fazit für unseren 5-tägigen Kurzurlaub ist sehr positiv. Wir konnten prima Golf spielen, die Unterbringung im Hotel war tadellos und sogar das Wetter spielte mit. Zwar haben wir am zweiten Tag einen kleinen Regenschauer und am späten Nachmittag des dritten Tages ein Gewitter erlebt, aber ansonsten entweder Sonnenschein oder nur leicht bedeckten Himmel genossen. Im Vergleich zum ver(blitz)eisten und verschneiten Deutschland war das auf jeden Fall eine Erholung. Wir würden jederzeit sowohl wieder nach Belek fahren wie auch bei Golfturkei.de buchen. Beim nächsten mal wird es allerdings ein Greenfee-Paket mit mehr als nur den beiden Sueno-Plätzen werden um etwas mehr Abwechslung zu bekommen.

Insofern warten wir jetzt sehnsüchtig auf eine erneute Gelegenheit aus dem deutschen Wintergrau auszubrechen und Golf spielend ein paar Sonnenstrahlen einzufangen.

Veröffentlicht von

Christian

Vater von zwei Kindern, Göttergatte einer tollen Frau, Banker, Heimkino-Nerd, Golfer und Schlagzeuger

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