Zuletzt im Heimkino: Super 8 (2011) Blu-Ray

Super 8 Blu-Ray Cover
Super 8 Blu-Ray Cover

Ja, schon kar. Der Film ist bereits seiner einer Weile als Blu-Ray auf dem Markt, aber ich neige dazu – außer bei Filmen die der Heimkino-Süchtige in mir unbedingt haben muß – auf einen vernünftigen Preis zu warten. Nachdem letztens die Zustellung von FSK18 Filmen (Drive, Total Recall) mal wieder an meiner fehlenden Zeit sowie dem vom Deutschen Jugendschutz erzwungenen Versandprozedere gescheitert war, wollte ich beim letzten Shopping-Ausflug meiner Familie nach Frankfurt die Scheiben beim Saturn besorgen. Und da fiel mein Blick halt auch auf Super 8 der bereits auf meiner Amazon-Wunschliste steht. Am gleichen Abend landete die Scheibe im Player und durfte als Samstag-Abend-Familienfilm herhalten.

Aufmerksam gemacht hat mich die interessante Kombination von Steven Spielberg (einer meiner Regie-Helden) und J.J. Abrams, dessen noch junges Werk schon aufwendige und recht gut inszenierte Blockbuster wie Mission Impossible III undStar Trek (die Neuverfilmung) beinhaltet. Interessanter noch als Referenz: er war als Produzent an der Entstehung des hippen Monsterstreifens Cloverfield (2008) beteiligt. Was passiert wenn sich die junge Generation der CGI- und Fast-Cut/Shaking-Camera Filmemacher mit dem König Hollywoods und dem Erfinder der Sommer-Blockbuster vereint? Vorsicht… wer mehr lesen will bekommt zwar nicht die ganze Geschichte verraten, aber ohne kleine Details geht’s kaum.

Super 8 handelt von einer Gruppe Jugendlicher die während den Dreharbeiten zu ihrem Beitrag zu einem Super-8-Filmwettbewerb Zeugen eines Zugunglücks werden, das ihre Kamera ungeplant aufzeichnet. Schon Minuten nach dem Unglück ist nichts mehr wie es wahr und merkwürdige Ereignisse brechen über den Kindern und ihrer Kleinen Heimatstadt herein. Die Luftwaffe riegelt den Unglücksort ab und gibt sich geheimnisvoll, Tiere flüchten, Menschen verschwinden, der Strom fällt aus. Während die Kinder die Geschehnisse in ihren Film einbauen werden sie immer weiter in eine gefährliche aber auch fantastische Geschichte über einen Außerirdischen gezogen, den es nach Hause zieht, der aber bereits Bekanntschaft mit den negativen Seiten der Menschheit gemacht hat und daher ziemlich mies gelaunt ist.

Super 8 - Screenshot 1
Zwei halbe Familien vereint staunend

Ein klassischer Spielberg-Plot. Die Welt aus der Sicht der Kinder, die ihren hilflosen und von Schicksalsschlägen gebeutelten Eltern immer eine Nasenlänge voraus sind. Das Ganze wird kombiniert mit dem klassisch-Amerikanischen Mißtrauen gegenüber zentralen Behörden und Militär, deren Anwesenheit zumeist der Kern des Problems statt seine Lösung ist. In meinem Kopf klingeln E.T., die Goonies und Close Encounters… Spielberg’s ikonische 70er und 80er Erfolge, genau die Zeit in der die Handlung von Super 8 angesiedelt ist. Gerade wenn man das Bild oben betrachtet, läßt sich die Nähe zu Close Encounters kaum verneinen.

Abrams ahmt nicht nur Plot und Zeitraum, sondern auch Stilmittel nach. Die Kamera verbleibt auf Höhe der Kinder und schaut oft zu den Erwachsenen empor. Der Anblick der nächtlichen Kleinstadt erinnert an den Blick E.T.’s auf die beleuchteten Ausläufer der Großstadt. Die Kindergruppe ist ebenfalls mit den üblichen Verdächtigen besetzt (Der Dicke, der Freak, der schüchterne Vernünftige, das Mädchen das alle in ihren Bann zieht etc.). Und so haben wir es hier mit unseren altbekannten aber auch geliebten Klischees zu tun, mit denen man gern auf die Reise geht. Ganz normale Kinder inmitten einer so gar nicht normalen Welt. Leider hat Abrams keinen John Williams aufzubieten, der für das Ganze noch eine unverwechselbare musikalische Begleitung entworfen hätte. Nicht das Michael Giacchino’s sinfonische Misik unpassend wäre, es fehlen ihr aber die eingängigen und unverwechselbaren Motive.

Bei aller Sympathie, es gibt auch klare Schwächen. Die CGI-Effekte wirken nicht immer souverän (die Animation ist oft eine Spur zu hektisch und schnell um natürlich zu wirken) und zuweilen geht der Spieltrieb der Effekt-Nerds mit der Geschichte durch. Der Außerirdische ist zwar akustisch ungemein präsent (das Sound-Design ist ein Highlight) doch wirkt er leider etwas konzeptlos und beliebig. Ihm fehlt einfach eine eigene Geschichte und so kommt er über das Monster-Niveau kaum hinaus. Vorteilhafterweise bekommt man von ihm bis zum Schluß nur Fragmente zu sehen. Der Story muss man ebenfalls mit einiger Großzügigkeit begegnen und die zuweilen derben Hacker (Frontalzusammenstoß eines Jeeps mit einem Zug und der Fahrer des Wagens überlebt) in den Mantel des Schweigens hüllen.

Summa summarum bleibt festzustellen, daß es wohl besser ist, wenn man seinem Idol nicht zu sehr nacheifert. Spielberg´s Filme hatten zwar auch ihr Vorbilder, verfügten aber über einen ganz eigenen Stil und waren thematisch unverbraucht. Abrams liefert hier auf unglaublich nette und authentische Weise eine Kopie ab, die sich nie richtig absetzen und freischwimmen kann. Und so schmunzelt zwar der geneigte (erwachsene) Betrachter – so wie Abrams es oft während der Dreharbeiten tat – aber ein packender Film entsteht auf diese Weise nur bedingt. Trotzdem macht Abrams vieles richtig. Er läßt seine Spezieleffekte nicht die Hauptrolle spielen und versteckt seinen außerirdischen Gast so geschickt, daß die Neugierde in uns aufrecht erhalten bleibt. Außerdem hat er seine Casting-Hausaufgaben perfekt gemacht und wirklich außergewöhnlich gut agierende Kinderdarsteller gefunden. Insbesondere Elle Fanning als Alice sticht heraus – offensichtlich ist auch die kleine Schwester von Dakota Fanning (Ich bin Sam, Taken, Krieg der Welten) ein Schauspieltalent. Davon überzeugt sie im Film in einer wirklich hübschen Szene auch ihre Mitschauspieler. Auch Neuling Joel Courtney als Joe macht seine Sache sehr gut und verkörpert authentisch den schüchternen aber neugierigen Teenager, dessen erste Liebe leider einiges an Komplikationen hervorruft.

Super 8 - Screenshot 2
Elle Fanning – ein weiterer Kinderstar aus der Fanning-Famile

Wie viele Blu-Rays von aktuellen Blockbustern ist die Bildqualität sehr gut. Farben und Detailzeichnung sind auf hohem Niveau aber der Schwarzwert könnte manchmal etwas besser sein. Interessant: Abrams und Kameramann Larry Fong läßt den Film in Anlehnung an die 80er deutlich körniger aussehen als so manch anderen Hochglanz-Blockbuster und das bleibt auf der Blu-Ray authentisch erhalten. Die englische original Dolby True HD 7.1 Tonspur ist in den Action-Szenen eine Offenbarung an Dynamik und Detailzeichnung – das gilt mit erstaunlichen geringem Abstand auch für die komprimierte Dolby Digital 5.1 Tonspur. Gerade der Außerirdische wird von einer großen Bandbreite an Geräuschen begleitet die wesentlich eindrucksvoller sind als die Kreatur selbst. Kleiner Sound-Gag gefällig: man achte bei der Super-8-Filvorführung während des Abspanns auf die leise knatternden Projektorgeräusche von hinten… herrlich.

Das Menü ist stilecht animiert und erinnert an eine Werbebroschüre für Filmkameras. Die Extras bestehen im wesentlichen aus einem vergnügsamen Audiokommentar mit J.J. Abrams, Produzent Bryan Burk und Larry Fong sowie einer Reihe von gut gemachten und informativen Featurettes. Die hätte man zwar all zu einer Gesamtdokumentation zusammenbauen können, aber zumindest sind die einzelnen Teile lang genug um Sinn zu machen und nicht zu zerstückelt zu wirken. Immerhin kann man sie alle automatisch nacheinander abspielen. Dazu kommen noch ein paar entfernte Szenen und der kleine Super-8-Film den die Kinder im Film gedreht haben. Die „interaktive“ Analyse des Zugunglücks ist eins dieser Multimedia-Experimente, bei dem die Präsentationsform den Wert des Inhalts killt. Man klickt sich quasi durch die Entstehung der Szene vom Drehbuch bis zu fertigen, mit physikalischen Effekten und CGI gespickten Szene. Das hätte man auch einfacher haben können. Ein Featurette, das man sich übrigens unbedingt ansehen sollte, handelt von Larry Fong dem Magier… sehr nett.

Am Ende haben wir einen unterhaltsamen Film gesehen und gelernt, daß die Karriere von J.J. Abrams und seiner Mistreiter mit Super-8-Filmen begann und damit die Vorlage für die Kinder im Film lieferte. Trotz aller Ähnlichkeiten und gegenseitigen Respektbezeugungen zwischen Abrams und Spielberg, muß man jedoch feststellen, dass den beiden hier nicht der große Wurf sondern nur „just another good mainstream movie“ gelungen ist. Aber das ist ja auch schon was.

Veröffentlicht von

Christian

Vater von zwei Kindern, Göttergatte einer tollen Frau, Banker, Heimkino-Nerd, Golfer und Schlagzeuger

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